Das Kunming-Montreal Abkommen von 2022 ist der Biodiversitäts-Durchbruch, den nur wenige kennen. Wir erklären was das 30by30-Ziel bedeutet und wie sich die CSRD-Pflichten nach dem Omnibus 2025 verändert haben.
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Die biologische Vielfalt nimmt schneller ab als je zuvor in der Geschichte der Menschheit. Nach Ansicht vieler Expertinnen erleben wir gerade das sechste große Massenaussterben. Im Mai 2019 veröffentlichte der Weltbiodiversitätsrat IPBES seinen Globalen Bericht, dem zufolge eine Million Arten innerhalb der nächsten Jahrzehnte akut bedroht sind — mit drastischen Auswirkungen auf Volkswirtschaften, Ernährungssicherheit und Lebensqualität weltweit.
Biodiversität wird das nächste große Thema, das Unternehmen ins Auge fassen müssen. Die meisten stehen noch ganz am Anfang — aber die regulatorischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verändern sich gerade fundamental.
Im Dezember 2022 wurde auf der UN-Biodiversitätskonferenz COP 15 ein historisches Rahmenwerk verabschiedet: das Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework. Es ist der Biodiversitäts-Durchbruch, der dem Pariser Klimaabkommen von 2015 ebenbürtig ist — und dennoch in der Unternehmenswelt noch kaum bekannt.
Das Kernziel: 30 Prozent der Erde und der Meere bis 2030 unter Schutz stellen und alle zerstörten Ökosysteme bis 2050 wiederherstellen. Daher der Name: 30 by 30.
Hier hat sich in den letzten Monaten viel getan. Im Februar 2025 legte die EU-Kommission mit dem sogenannten Omnibus-Paket einen weitreichenden Vereinfachungsvorschlag vor, der die ursprünglichen CSRD-Pläne erheblich verändert hat.
Nach der Omnibus-Reform (in Kraft seit Frühjahr 2026): Berichtspflichtig sind nur noch Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten und mehr als 450 Mio. € Jahresumsatz. Der Anwenderkreis reduziert sich damit gegenüber den ursprünglichen Plänen um rund 90 Prozent. Die erste Berichterstattung erfolgt einheitlich ab 2028 für das Geschäftsjahr 2027.
Für den Bereich Biodiversität gilt zusätzlich: Unternehmen mit bis zu 750 Beschäftigten können für die Geschäftsjahre 2025 und 2026 auf die vollständige Offenlegung nach ESRS E4 (Biodiversität und Ökosysteme) verzichten. Und selbst größere Unternehmen im Anwendungsbereich können in der Übergangsphase auf quantitative Biodiversitäts-Metriken vorerst verzichten — gefordert ist zunächst nur eine qualitative Berichterstattung.
Auf den ersten Blick klingt die Omnibus-Reform wie eine Entlastung. Aber es gibt einen wichtigen Haken: Auch wenn die direkte Berichtspflicht entfällt, bleibt der indirekte Druck enorm. Große, berichtspflichtige Unternehmen werden Biodiversitätsdaten bei ihren Zulieferern und Partnern einfordern — ganz unabhängig von deren eigener Berichtspflicht.
Hinzu kommt: Über 50 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung hängt direkt von funktionierenden Ökosystemen ab (Weltbank). Unternehmen mit Lieferketten in Landwirtschaft, Forstwirtschaft oder Rohstoffabbau sind wirtschaftlich exponiert — und Investoren sowie Banken fragen zunehmend nach naturbezogenen Risiken, befeuert durch das TNFD-Framework (Taskforce on Nature-related Financial Disclosures), das im September 2023 sein finales Framework veröffentlicht hat.
Parallel zur CSRD-Reform hat die EU-Kommission im Juli 2025 die Roadmap towards Nature Credits verabschiedet — einen konkreten Fahrplan für ein EU-weites Zertifizierungssystem für naturbasierte Investitionen. Bis 2027 soll ein vollständiger Governance- und Zertifizierungsrahmen stehen, mit Pilotprojekten bereits in Frankreich, Estland und Peru.
Das ist der eigentliche Durchbruch: Während die CSRD-Reform den Kreis der direkt Verpflichteten verkleinert, entstehen mit den Nature Credits neue Anreize für freiwilliges Engagement — und ein Markt, der gerade im Entstehen ist.
Unabhängig davon, ob eine direkte Berichtspflicht besteht oder nicht: Der Aufbau eines Biodiversitätsverständnisses zahlt sich aus. Der erste Schritt ist Transparenz — zu verstehen, wo das Unternehmen von natürlichen Systemen abhängt und welchen Fußabdruck es hinterlässt. Der zweite Schritt ist Investition: in geprüfte, verifizierte Naturschutzprojekte, die einen messbaren Beitrag zum 30by30-Ziel leisten.
Genau hier setzt 30 by 30 an. Wir helfen Unternehmen, das Thema Biodiversität zu verstehen — und in die richtigen Projekte zu investieren.
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